Weserkurier vom 25.1.2006

Soencke Soennichsen

40 000 Kilometer mit dem Kanu zurückgelegt

Für Söncke Sönnichsen ist der Wassersport das Leben /Auch den Yukon befahren

von Karina Skwirblies


BREMEN. Mit einem Faltboot fing alles an. Söncke Sönnichsen wusch an einer Tankstelle Autos, damit er sich ein eigenes Boot kaufen konnte. Vor 46 Jahren begann der begeisterte Kanuwanderer mit dem Sport, inzwischen hat er über 40000 Kilometer auf dem Wasser zurückgelegt.
Diese stolze Bilanz konnte er jetzt zum Jahresende beim Deutschen Kanuverband per Fahrtenbuch einreichen. Die Freude am Paddeln ist ungebrochen. "Es ist herrlich", sagt er von seinen Touren in Deutschland und Europa. "Man bekommt viel von Land und Leuten mit. Die Natur ist immer noch schön."
Seine Frau Gisa ist oft mit von der Partie. Ihr Mitschüler Söncke Sönnichsen lockte sie vor 40 Jahren in seinen Verein: Die Bremer Kanu-Wanderer (BKW). Seitdem ist sie ebenfalls schon Tausende von Kilometern gepaddelt. "Beim ersten Mal hat sie gesagt, nie wieder", erinnert sich Söncke Sönnichsen. "Es war auf der Wümme und fürchterlich heiß und da waren viele Bremsen. Aber am nächsten Tag war alles vergessen."
Früher gingen die Touren in die nähere Umgebung. "Man fuhr sonnabends am Nachmittag los, mit der Eisenbahn und dem Faltboot." Die Wümme, Weser, Lesum oder die Hamme waren die Ziele der Wassersportler. Nach Rotenburg oder Worpswede. "Die Zeiten sind vorbei. Da lockt man keinen Jugendlichen mehr hervor", sagt Sönnichsen. "Als man mobiler wurde, waren größere Touren möglich. An die Nordsee, zum Wildwasserfahren in die Alpen oder zu Heideflüsschen."
Vor drei Jahren war Sönnichsen mit seiner Frau und einem befreundeten Ehepaar in Kanada. In sieben Tagen fuhren sie knapp 500 Kilometer auf dem Yukon, einem breiten Fluss mit schneller Strömung. Die Faltboote nahmen sie im Flugzeug mit. "Auf der ganzen Strecke ist nur eine einzige Ortschaft. Das ist nur Natur, man ist in der Wildnis", schwärmt der Kanuwanderer. Bären haben sie allerdings nur bei der anschließenden Wohnmobilreise gesehen. "Zum Glück", wie Sönnichsen meint.
Wirklich gefährliche Situationen hat der erfahrene Paddler nie erlebt. Doch der Übungsleiter warnt den Nachwuchs im Verein: "Überschätzt euch nicht." Auf dem offenen Meer hat er vor den riesigen Schiffen viel Respekt. "Von der Brücke aus sehen die einen nicht. Man ist 300 Meter weit weg und viel zu klein." Beim Inselhüpfen in Griechenland kam ihnen ein Ozeanriese entgegen. "Da mussten wir schnell weg."
Der ehemalige Geschäftsführer einer Behinderteneinrichtung ist im Ruhestand. "Ich habe keine Befürchtungen, dass mich die Langeweile packt." Kanufahren könne man in jedem Alter. Neulich sei er mit Freunden gepaddelt, der Großvater sei 78 gewesen und das Enkelkind war mit an Bord. Selbst im Winter gehen die Bremer Kanu-Wanderer aufs Wasser. In Kürze starten sie zu ihrer Kohl- und Pinkel-Tour.

Die BKW haben ihre Anlegestelle in der Pauliner Marsch, im Richard-Jürgens-Weg 5. Telefonisch sind sie unter 230727 zu erreichen. Im Internet präsentiert sich der Verein unter www.bremer-kanu-wanderer.de

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