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Auf der Alster von Kayhude nach Hamburg

Vom Dschungel in die Großstadt

Vereinsheim Alstereck Baumhindernis

Wir sind alle schon am Freitag Abend angereist, um am Samstag Morgen früh starten zu können. Das Gelände des Paddelvereins "Alstereck" (http://www.alstereck.de) liegt in oder nah bei Fuhlsbüttel, als Bremerin kennt man sich da ja nicht so gut aus, und ist wirklich wunderschön an der Alster gelegen. Das Bootshaus ist aus Holz und von 1920, mit einer sehr urigen Atmosphäre. Es ist alles vorhanden, was die Paddlerin so braucht: Küche und Bad komplett und die Duschen nagelneu. Danke nochmal an den Verein, der uns freundlich und unkompliziert aufgenommen hat. Wir sind neun Personen in acht Booten, größtenteils Seekajaks und ein Zweier. (Nennt man das so? Nur zur Information: hier schreibt eine fast noch blutige, aber begeisterte Anfängerin). Abends sind wir essen gegangen, das ist das Gute an stadtnahen Clubs, man kann zu Fuß zum Italiener. Geschlafen haben wir in unseren kleinen Zelten unterschiedlich gut. Einigen war es zu laut an der großen, viel befahrenen Straße, die unmittelbar an dem Gelände liegt (das ist das Schlechte an stadtnahen Clubs). Ich habe sehr gut geschlafen. Gefrühstückt haben wir auf der großzügigen Veranda des Bootshauses. Bis alle fertig waren mit essen, einpacken, umziehen etc. dauerte es ein Weilchen (ihr kennt das ja). Aber tasächlich, im Laufe des Vormittags kamen wir an der Einstiegsstelle in Kayhude, nördlich von Hamburg, an. Die Boote mussten ein Stück getragen werden, unter einer Brücke, sehr lauschig und zugewachsen, war die Einstiegsstelle. Was jetzt kommt ist schwer zu beschreiben: das Glück der Paddelanfängerin, bei strahlendem Sonnenschein unter einem Blätterdach, dass das Sonnenlicht bricht, dahinzugleiten, Hindernissen auzuweichen, Untiefen zu überwinden... Und jedes Mal, wenn ich so einen Baumstamm mitten im Wasser überwinden musste: Adrenalin. Ist das ein toller Sport! Von den erfahreneren Paddlern meinte einer, so einen flachen Wasserstand sei er noch nie gefahren. Nach cirka acht Kilometern, für die wir mehr als die Hälfte der geplanten Zeit brauchten, insgesamt waren 24 km geplant, haben wir eine Pause gemacht. Ich war schon ziemlich erschöpft und hatte einen Bärenhunger. Danach ging es einfacher weiter. Die Abenteuerstrecke, die mich an Bilder vom Amazonas erinnerte (zum Glück ohne Alligatoren), verwandelte sich in eine wunderschöne, abwechslungsreiche Freizeitlandschaft. Es gab nun mehr Boote auf der Alster, meist Leihkanus. Wir begegneten Reitern, die die flache Alster zum Ausritt nutzten, Hunden und ihren Besitzern, die uns neugierig beäugten. Die Umgebung wurde urbaner, jedoch immer noch mit nur vereinzelter Bebauung. Es gab einige nette Ausflugslokale, die wir aber links und rechts liegen ließen. Wir hatten ja unsere eigene Verpflegung mitgenommen. Wenn ich mich recht erinnere, waren wir gegen 18 Uhr wieder am Platz.

Pause Fruehstueck

Abends sind wir wieder essen gegangen, die einen hierhin, die anderen dahin. Es war einer dieser seltenen Sommerabende, an denen man keine Jacke braucht. Ich war sehr zufrieden mit mir und dem Tag. Am nächsten Morgen sind wir direkt vom Vereinsgelände gestartet. Die zweite Etappe auf der Alster war so anders, wie es unterschiedlicher kaum sein kann. Aber zunächst mussten wir nach einem Kilometer unsere Boote umtragen. An einem Wehr war eine Baustelle. Es waren extra Hinweisschilder und Pontons für Wassersportler aufgebaut, und die Umtragestrecke war ziemlich weit. Mene Arme waren danach ein Stück länger. Dann ging es ruhig und gemächlich immer weiter nach Hamburg rein. Die Bebauung nahm zu, die Häuser wurden größer, das Einkommen der Anwohner stieg sichtlich mit jedem Kilometer. Palazzo Prozzi neben alter Villa, riesige Anwesen, verfallener Charme, wir konnten uns nicht satt sehen. "Ja leben denn in Hamburg nur reiche Pfeffersäcke?" war der Ausspruch eines Mitpaddlers, der den aufkommenden Sozialneid aller so zum Ausdruck brachte. Das Ganze mündete in einer Alsterkurve, in der so unglaubliche Anwesen standen, dass wir erst mal anhalten und staunen mussten. Winterhude - das sagt selbst der Bremerin etwas. Inzwischen hat das Leihboote-Aufkommen beträchtlich zugenommen. Viele Menschen jeden Alters paddeln, rudern, staken über die Alster und manchmal wird es eng. Wir paddeln bis zum Stadtparksee, dort machen wir unter einem großen Baum unser Picknick. Der Stadtpark ist bei dem schönen Sommerwetter gut besucht und wir freuen uns über das wuselige Hamburger Sonntagsleben. Zurück geht es durch verschiedene Kanäle und Abzweigungen. Ich habe schon vor Stunden die Orientierung verloren und muß unbedingt nochmal unserem Wanderwart Kersten danken, der uns so kompetent, nett und geduldig auf dieser Fahrt begleitet hat. Ich freue mich schon auf die nächste Fahrt. Wir passieren wieder eine Brücke, angeblich soll Hamburg davon ja mehr haben als Venedig - und auf einmal sind wir auf der Außenalster. Hier weht eine frische Brise, Ausflugs- und Personenfähren kreuzen und drehen. Es ist ziemlich voll hier. Ich bin froh, dass ich diese Strecke ohne besondere Zwischenfälle hinter mich bringe. Zurück geht es, mit ein paar Abzweigungen, den gleichen Weg. Am Himmel ziehen sich zum Schluß doch noch die Wolken zusammen. Einen Kilometer vor dem Ziel, an dem Wehr mit Baustelle, erwischt uns ein kurzes Gewitter mit heftigem Regen. Aber das macht jetzt nichts mehr. Wir stellen uns in einem Hausbogen unter, warten ab und paddeln dann bei moderatem Regen zurück. Da die zweite Etappe 25 Kilometer lang war, kann ich sagen, wir sind 48 km bei bestem Wetter gepaddelt und nur einen bei Regen. Was für ein schönes Wochenende!

Susanne Zimmermann

Pause bei der Wohlsdorfer Schleuse Kayhude Alster

Mehr Fotos zur Alster gibt es hier: http://www.flussinfo.net/alster/galerie/

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