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Plöner Seen 2014

Vereinsfahrt über die Ostertage 2014

 

Zweifellos, der Tourismus auf der Plöner Seenplatte hat schon bessere Tage erlebt. Wir steuern mit unseren Kajaks auf dem Dieksee ein zwölfstöckiges runtergekommenes Hochhaus in Malente an. Es sieht verlassen aus, später sehen wir aber auf Balkonen Sonnenschirme, Markisen und sogar Menschen. Bettenburgen statt Beschaulichkeit. Aber immerhin ist dieser Klotz ein guter Orientierungspunkt, denn so können wir schon aus Kilometern Entfernung erkennen, wo sich die kleine Durchfahrt zum Kellersee befindet, die sich entlang der rückwärtigen Gärten der Häuser durch den Ort schlängeln.

Das Wasser haben wir an den Ostertagen fast für uns allein. Das ist das geniale, wenn der Stern der Region in der Gunst der Touristen sinkt. Motorboote sind hier auf den Seen ohnehin tabu, die Ausflugsdampfer der Fünf-Seen-Route haben gedämpfte Motoren und nur gelegentlich sichten wir einige Canadier. In Plön paddeln wir zwischen den Betonpfeiler der Bundesstraße, in Preetz auf der Schwentine passieren wir einige Autobrücken (und hoffen dort vergeblich auf einen Eis-Service direkt ans Boot) und manchmal sehen wir die roten Regionalexpresse wie Spielzeugfahrzeuge an der Küste entlang brausen. Viel mehr an Zivilisationslast spüren wir an den Ostertagen hier nicht. Der Rest ist Ruhe: ein ungetrübtes Naturerlebnis und das bei einem Wetter, das wieder einmal weitaus besser ist als es die Meteorologen angekündigt hatten.

Unsere Zelte haben wir beim Wassersportverein Plön-Fegetasche aufgeschlagen, der am Rand von Plön ein denkmalgeschütztes Bootshaus betreibt, das vor Jahrhunderten als ölmühle errichtet wurde. Idylle pur. Unser Lager liegt direkt an der Umtragestelle zwischen Behler See und Großer Plöner See. Wir können also problemlos ohne Autos in mehrere Richtungen starten. Außerdem haben wir einen tollen Blick auf den See und können das Rauschen des Verbindungsbaches genießen, der nur wenige Meter an unseren Zelten vorbeifließt. Die Nächte verbringen wir unter sternenklarem Himmel.

Morgens und abends ist es noch kalt, nur drei, vier Grad, da ist es gut, dass Detlev sein großes Tippi mitgebracht hat. Hier können die meisten von uns entspannt kochen und essen, während der Rest im Ort in einem Fischlokal einkehrt. Kaum brennt einer der Trangia-Kocher, verbreitet sich im Zelt schon angenehme Wärme. Und lustig ist es vor allem auch noch. Das Areal haben wir ebenfalls für uns allein. Wer geglaubt hätte, dass die Vereinsmitglieder dort bei herrlichem Sonnenschein an Ostersamstag scharenweise aufs Wasser gehen würden und wir wohlmöglich noch im Weg stünden, sah sich getäuscht. Eine einsame Paddlerin trafen wird, die sich frühmorgens auf den Weg nach Hamburg machte. Voller war es dagegen dann sonntags zum Ostereiersuchen...

Schon am Anreisetag starten wir am Nachmittag zu einer ersten Tour und ich stelle schon an Land fest, dass das Wasser recht bewegt ist. "Das ist ja richtig maritim", sagt Sabine später und freut sich. Ich bin da als Gelegenheitspaddler etwas zurückhaltender. Angst habe ich nicht vor den großen Wellen. Erst vor ein paar Wochen habe ich im Hallenbad noch den Wiedereinstieg geübt. Ich vergegenwärtige mir noch einmal den Ablauf und konzentriere mich. Auf eine Probe unter Realbedingungen kann ich bei der Wassertemperatur gut verzichten. Während der über 125 Kilometern, die wir in den fünf Tagen zurückgelegt haben, wird auch keiner kentern.

Aber zunächst einmal habe ich ein ganz anderes Problem, nämlich bei Wind und Welle Kurs zu halten. Mein Vereinsboot hat kein Skeg und ich verfüge auch nicht über eine gute Technik - nur über Kraft und Zähigkeit. Plötzlich bin ich Dutzende Meter weit von der Gruppe abgedriftet. Marc ruft. Als Fahrtenleiter muss er ja schließlich schauen, wo seine Schäfchen bleiben. Vergeblich versuche ich, mit pausenlosen Bogenschlägen und Ankanten zu korrigieren.

Zwischendurch fühle ich mich wie eine Nussschale, die hilflos auf den Wellen tanzt. Ulrich zeigt mir dann, wie ich in solchen Fällen effektiv manövrieren kann.

Inzwischen haben wir die Richtung geändert, müssen gegen die Wellen paddeln und das macht richtig Spaß, genauso wie sich von der Welle tragen zu lassen. Der Bug klatscht auf die Welle, Wasser überspült den Bug und mir spritzt das Wasser ins Gesicht. Gut, dass mir Marc seine Paddeljacke geliehen hat. Weiße Krönchen haben sich schon auf den Wellen gebildet. Windgeschwindigkeit drei bis vier, heißt es. Ich muss aufpassen, dass mich die Welle nicht auf ein anderes Boot schiebt oder dem benachbarten Paddler den Weg abschneide, muss Abstand halten, abbremsen und ausweichen. Das klappt von Tag zu Tag besser. Auf der Rundfahrt über den großen Plöner See ist es manchmal besonders heftig. Zwischendurch immer wieder Selbstkontrolle: Aufrechtsitzen wie eine Puppe am Draht, weit vorne Einstechen und das Paddel nicht zu weit durchziehen.

Wer sich anstrengt, braucht auch Pause und wir finden auch einige nette Einkehrmöglichkeiten. Das Restaurant etwa an der Durchfahrt zum Eutiner See - den wir leider nicht mehr befahren haben. Sieht edle aus, ob wir hier mit unseren ollen Paddelsachen willkommen sind? Wir schicken mal Renate vor, die nett nachfragt. Kein Problem, die Frau paddelt selbst, freut sich und verwöhnt uns mit Erdbeer-Rhabarber-Kuchen. An der Schwentine lassen wir uns bei Sonnenschein die knackigen Fischbrötchen schmecken.

Es ist zwischendurch auch immer wieder entspannend, auf einem idyllischen Verbindungsstück zu paddeln: Vorbei an gelben Rapsfeldern, untergegangenen Tretbooten, die noch halb aus dem Wasser ragen, privaten Bootsstegen (wehe, man geht dort versehentlich an Land, dann schaltet sich gleich lautstark der Nachbar ein!) und umgestürzten Bäumen, die manchmal das Passieren erschweren und nur eine kleine Lücke lassen. Wo die Natur noch so ursprünglich und wenig gebändigt ist, könnte man sich glatt auf dem Mekong auf der Suche nach Colonel Kurtz wähnen. Aber dann wird man doch noch aus den Kinoträumen von Apocalypse Now gerissen, weil wieder jemand einen Seeadler gesichtet hat, der bei den zahlreichen Vogelarten, die wir sichten können, doch etwas Besonderes ist. Und wer vorneweg fuhr, kann im glasklaren Wasser sogar prächtige Fische sichten. Leider hat niemand eine Angelschnur dabei. So ein Forellenfilet hätte sich zu dem Gemüse-Couscous, das Renate abends im Tippi kocht, noch ganz prächtig gemacht und die benachbarte Räucherei hat da schon geschlossen.

Tourenteilnehmer: Meike, Marc (Fahrtenleitung und Organisation), Detlev, Sabine, Ulrich, Peter; Kersten, Renate, Ralf, Karina, Birgit Steffen

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