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An der Schlachte im Dezember

Die etwas andere Feierabendtour im 10er-Canadier

(Warnhinweis: enthält Seemannsgarn! Frei nach den Phantasien der Teilnehmer gedichtet von Ulrich Ortmann)

 


Schlachte im DezemberIm Hellen paddeln? Das macht doch jeder! Und so trafen wir uns an drei Dezemberabenden um 17:30 beim BKW, um mit dem 10er-Canadier (CX) vom Wasser aus die abendlichen Lichter der Stadt und des „Schlachtezaubers“ zu genießen.
„Aber im Dunkeln darf man doch gar nicht auf der Weser paddeln!“, wird der aufmerksame Leser jetzt einwerfen. Ja, schon .... es sei denn, man führt eine leuchtstarke 360-Grad- Rundum-Leuchte mit sich. Ein solch vortreffliches Lämpchen hatte Initiator Detlev erstanden, an einem langen Teleskopstiel befestigt und diesen wiederum mit solidem Klebeband bombenfest hinter dem Hecksitz des Canadiers angebracht. So konnten wir ganz ordnungsgemäß und rechtskonform unsere Abendtouren auf der Weser starten.
Trotz der außergewöhnlichen Idee nahmen an den ausgeschriebenen Touren zum Teil nicht genügend BKWler teil, so dass wir den Mannschaftscanadier jeweils mit ein paar zusätzlichen, externen Leihpaddlern auffüllten. Diese Paddler mit Vereinsmigrationshintergrund integrierten sich vorbildlich und bereicherten unsere Canadier-Gesellschaft unter anderem durch das Schießen schöner Nachtfotos.
Die zahlreichen verschiedenen Lichter der Innenstadt spiegelten sich glitzernd im glatten Wasser der Weser. Von hier aus wirkte die bläuliche Illumination der Schiffe, Buden und Bäume am Weihnachtsmarkt an der Schlachte besonders reizvoll. Und als ein betörender Geruchscocktail aus Fritierfett, Bratwurst und nelkenschwangerem Glühwein über das Wasser in unsere Nasen kroch, waren wir froh, den Schlachtezauber vom Wasser aus zu genießen und nicht in den trunkenen Menschenmassen auf der Punsch-Promenade unterwegs zu sein.
An der Eisenbahnbrücke kehrten wir um und machten - wieder auf Höhe der Schlachte angekommen – eine kleine Pause. Ein wundersames Heißgetränk wurde im Boot herum gereicht und fand bereitwillige Abnehmer. Der Behauptung, es handele sich dabei im Wesentlichen um eine Mittelstrahl-Sammelprobe von den Teilnehmern der letztwöchigen CX-Tour, mochten nicht alle von uns Glauben schenken – dazu mundete der geheimnisvolle Trunk einfach zu gut! Deshalb genoss ich davon noch ein Becherchen mehr als die anderen .... Was auch immer darin enthalten sein mochte, das Gebräu hatte eine gewisse bewusstseinserweiternde und euphorisierende Wirkung auf mich.
Dann kam Nebel auf. Milchige Schleier krochen über das schwarze, nächtliche Wasser und verdichteten sich zu größeren Wolken. Die Sicht wurde schlechter, aber der volle Mond vermochte den Nebel noch deutlich und hell zu durchdringen. Vom benachbarten Werdersee aus hörten wir die Wölfe heulen.
Es kamen Unruhe und Diskussionen an Bord auf. Was wäre, wenn der Isegrim plötzlich zum Weserufer eilen würde, mit einem kräftigen Satz ins Boot springen und einen von uns zerfleischen würde!? Nicht auszudenken! Neben dem drohenden menschlichen Verlust hätte dies – je nach Opfer – zu überaus schmerzlichen Einbußen bei der Jahres-Gesamtkilometerleistung des BKW im Rahmen des DKV-Wanderfahrerwettbewerbs geführt ... und TURA wäre dann wieder vorne!!! Das konnten wir keinesfalls zulassen, und so paddelten wir mit Vollgas um unser Leben – und um die Ehre des BKW! Doch wo war der rettende Steg am Ufer des Vereinsgeländes?Schlache Weihnachtsmarkt
Dann plötzlich ein Rauschen und Tosen in unseren Ohren. Was war das nun schon wieder? Oh mein Gott! Durch den Nebel erblickten wir das Weserwehr. Waren wir also längst am Bootshaus vorbei gepaddelt .... Am Ufer erkannten wir den hämisch grinsenden Sensenmann, der bereits auf uns wartete. Mit gekonnten Paddelschlägen rissen wir den wuchtigen Mannschaftscanadier in letzter Sekunde herum. Abermals waren wir nur knapp dem Tode entronnen!Es war an der Zeit, Rache zu nehmen! Mit einem zum Lasso umfunktionierten Wurfsack rissen wir den Sensenmann ins Wasser, und er ertrank jämmerlich in den Weserfluten. Konnten wir ja nicht ahnen, dass der nicht mal schwimmen kann ....Nun aber schnell zurück zum BKW, bevor wieder was passiert! Abermals suchten wir im Nebel nach dem rettenden Steg. Dann plötzlich erblickten wir an Land ein Leuchtfeuer, dass ich dort noch nie zuvor wahrgenommen hatte. Es war wunderschön und wies uns den Weg zum BKW.
Einige haben hinterher behauptet, das sei nur die Leuchtreklame vom Henschenbusch gewesen. Ich aber glaube noch immer, dass es Poseidon war, der Erbarmen mit uns hatte, nachdem wir seine schlimmen Prüfungen überstanden hatten.
Wie auch immer. Ich radelte nach Hause und fiel geschafft von des Tages Werk in tiefen Schlaf. Am nächsten Morgen – die Wirkung des Trunks dauerte noch immer an – erwachte ich in meiner Schmutzwäschetruhe. Benommen stieg ich heraus und erinnerte mich: Unglaublich, was wir gestern abend erlebt hatten! Es gab keinen Zweifel, das musste der Nachwelt erhalten bleiben!
Und so nahm ich Hammer, Meißel und Steintafel, um alles nieder zu schreiben. Ich suche noch immer nach einem würdigen Standort für die Tafel auf dem BKW-Gelände und freue mich über konstruktive Vorschläge. Fürs Erste habe ich ein Foto von der Steintafel gemacht und an Sigi gemailt – mit der Bitte, unsere Erlebnisse auf der BKW-Homepage zu veröffentlichen.
Erst danach ließ die Wirkung des geheimnisvollen Trunks langsam nach. Dem Vernehmen nach soll es sich dabei um eine geheime Rezeptur der Familie Weiterer mit raffinierten, erlesenen Zutaten handeln, die wir aber nur denen von Euch verraten werden, die an einer der nächsten Dunkelheitstouren teilnehmen. Dann dürft Ihr auch davon kosten, aber nur wenn Ihr mögt ....

Kleingedrucktes:

Es war zwar nebelig, aber wir hatten noch genügend Sicht und haben auch nicht den BKW-Steg verpasst. Der Trunk enthielt zwar einen „Schuss“, aber niemand war im Rausch. Wir hatten aber sehr viel Spaß, auch weil das Paddeln im Dunkeln unsere Phantasie enorm anregte.


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