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Bericht zur Tidenralley 2004

Kalt, nass und stürmisch...

 

Ich in der CapellaIch wollte doch endlich mal die Tidenralley mitmachen. Dieses Jahr hatte ich dann endlich die Gelegenheit dazu. Ich startete gegen 14.00 Uhr vom BKW, also noch mit auflaufendem Wasser. Als Boot hatte ich mir die Vereins-Capella ausgeliehen, mit meinem eigenem Boot, dem TM Express-Nachbau, war mir das zu heikel. Wie sich noch zeigen sollte, war das eine gute Entscheidung. Die erste Strecke sollte mich bis zum Zeltplatz Luneplate bringen, also etwa 30 km weit. Das Wetter war angenehm und es gab kaum Wind. In Höhe des Bremer Space Park kenterte die Tide und meine beiden Mitpaddler hatten mich eingeholt. Von jetzt an ging es ganz entspannt zu dritt weiter. Leider ist diese Strecke ja reichlich langweilig, da die Weser bis weit hinter Vegesack/Lemwerder völlig zerstört ist. Steinschüttung links und rechts ist nun mal öde und Stahlwerke sind auch nicht wirklich schön. Am frühen Abend erreichen wir den Zeltplatz Juliusplate. Ab hier hat die Weser zumindest linksseitig wieder Strand, gegenüber dem Zeltplatz liegt das Kraftwerk Farge. Wir hatten noch einen netten Abend zusammen mit befreundeten Paddlern vom KSF Bremen.

Harriersand

Am nächsten Morgen: es bläst mit 7-8 Beaufort aus Nordwest die Weser herunter. Meine beiden Mitpaddler beschließen abzubrechen. Ich werde von den netten KSFlern gefragt, ob sie mich bis mit dem Auto bis Brake bringen sollen, ich kann dann da auf die Leute von der Tidenralley-Vorfahrt treffen und brauche nicht allein zu paddeln. Ich stimme zu und werde bis zum Fähranleger Sandsted/Brake gebracht, wo ich einsetze. Der Sturm bläst mich in Rekordzeit zum Harriersand, wo ich auf die Teilnehmer der Vorfahrt warte. Es dauert nicht lange, und ich sehe die bunten Punkte auf der Weser. Es kommen so an die 40 Boote (geschätzt). Gemeinsam setzen wir mit der Personenfähre nach Brake über, wo wir zum Fischessen im Braker Hafen angemeldet sind. Der Fisch ist lecker, ich werde wohl öfter mal hier halt machen. Dann geht es wieder zurück zum Harriersand und um 16.30 Uhr geht's los nach Nordenham. Ich bin ja kein Seekajaker, deshalb war das was jetzt kam, für mich schon ziemlich heftig. Pause Sturm genau genau gegen die Tide, also deftige, steile Wellen und man kann kaum das Paddel halten. Wir fahren nach einigen Kilometern die Schweiburg (einem Nebenarm der Weser) entlang, da kann man manchmal am Ufer entlangschleichen, aber anstrengend ist es auch hier. Als wir beim Atomkraftwerk Esenshamm wieder die Weser erreichen, haben wir noch heftigere Wellen. Ich kämpfe mich mit meiner vollbeladenen Capella hinterher. Immerhin liegt das Boot wegen der Beladung satt im Wasser. So ist das Ganze zwar anstrengend, aber ich fühle mich in meinem Boot sicher. Trotz Paddeljacke bin ich durchgeweicht, jetzt weiss ich, wozu eine Trockenjacke gut ist. Gegen 20.00 erreichen wir unser Ziel. Obwohl wir nur 15 km gepaddelt sind, haben wir über 3 Stunden gebraucht. Der Hinweg hatte nur 1,5 Stunden gedauert, haben mir die Teilnehmer der Vorfahrt erzählt. Ich stehe also mit meinem Boot im Seglerhafen und muß jetzt mit meinem Boot auf dem Bootswagen noch einen Kilometer (gefühlt: drei) bis zum Wassersportverein Nordenham laufen. Ich bin zwar Kanuwanderer, aber das muß man ja nicht gleich wörtlich nehmen. Endlich angekommen, baue ich mein Zelt auf der Grünen Wiese irgendwo in der Wildnis auf. Es reicht noch für 1 Bier, dann liege ich in meinem Schlafsack.

Start

Der nächste Morgen. Es bläst immer noch, aber diesmal aus Nordwest, also von schräg achtern und von Land. Das Wetter ist bescheiden, es sieht nach Regen aus und es ist saukalt. Nach frühstücken und duschen packe ich meine Sachen zusammen, belade das Boot und wandere wieder zum Startplatz Seglerhafen. Hier treffe ich Gerd und Christine vom BKW. Um 12.00 geht es endlich los. Ich bin zwar weit vorne gestartet, falle aber trotzdem bald zurück. Schade, das der Wind nicht von hinten kommt. Mit meinem vollbeladenen Skegboot muß ich ständig gegensteuern. Zu allem Überfluß werden wir auch noch von einem heftigen Regenguß erwischt. Dafür gibt's nur wenig Wellen. Vor uns sehe ich, wie ein Gekenterter von einem der Begleitschiffe geborgen wird. Wie in der Zeitung zu lesen war, soll es zu zwei Kenterungen gekommen sein, die aber gut ausgegangen sind. Hinter Brake machen wir Rast am Strand von Oberhammelwarden.

Oberhammelwarden

Ab hier bis zu meinem Ziel, dem Zeltplatz Juliusplate, ist jetzt auf unserer Seite nur noch Strand. Den Plan, bis zum Goldziel TURA an der Lesum zu paddeln, habe ich aufgegeben. Mir sitzt noch die Tour von gestern in den Knochen und meine alte Verletzung am rechten Schultergelenk macht mir Probleme. Gegen 16.00 sind wir am Silber-Ziel, der Campingplatz Juliusplate. und mir reicht es. Gerd fragt mich, ob ich mit nach Hause will und ich beschließe spontan, meine Fahrt abzubrechen. Am nächsten Tag windet es immer noch, aber es ist schönes Wetter. Eigentlich hätte ich aucham diesem Tag Pause machen können, meine Sachen trocknen lassen und am nächsten Tag nach Hause paddeln. Nun denn, so bin ich jetzt wohlbehalten angekommen und kann meiner Schulter einige Tage Ruhe gönnen. Und ich hab was zu erzählen.

PS: Wo ist auf diesen Fotos nur der Wind geblieben?

 

Capella

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Die Capella am Strand von Oberhammelwarden