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Die Unterweser

Allgemeines zur Unterweser

ErzfrachterWer auf der Unterweser paddeln möchte, muss sich über einige Dinge im Klaren sein. Dieser Fluss ist industriell genutzt und eine Seewasserstraße, dementsprechend ausgebaut und befahren. Man wird also Häfen und Kraftwerke, Industriebetriebe, Werfen, Schiffen, Ruinen, Glanz und Elend zu sehen bekommen. Gegenüber dem Sandstrand stehen Kraftwerke, man fährt an Steinschüttungen, Spundwänden, Sandstränden, einem Atomkraftwerk und Schlickpackungen vorbei. Seehunden begegnet man ebenso wie Gänseherden in Werftruinen. Man muss sich gegen Schlepperwellen und Großschiffahrt behaupten. Boot, Können und Ausrüstung müssen den Anforderungen entsprechen und diese können durchaus anspruchsvoll sein. Unbedingt Schwimmweste tragen! Aber auch die einfache, gemütliche Nachmittagstour ist möglich. Ganz wichtig: Abstand halten von den Tonnen, auf die Fähren achten, möglichst außerhalb des Fahrwassers bleiben und das Fahrwasser vorschriftsmäßig im rechten Winkel queren, dabei auf den Schiffsverkehr achten. Luerssenwerft
Was man nicht vermutet: Tidenstand und Strömung stimmen nicht überein. Auch bei ablaufendem Wasser kann die Flut schon einsetzen und der Wasserstand steigen. Der Tidenkalender ist keine verlässliche Angabe zur Strömungssituation, auch kann die Tide von der angegebenen Zeit im Tidenkalender abweichen, z.B. aufgrund der Windsituation.



Bremen - Campingplatz Juliusplate, an der Fähre Berne - Farge, ca. 30 km

Start: Bremen, Kanustation Bremer Kanu-Wanderer e.V.
Einsetzen ca. 1 Stunde vor HW. Leuchtturm Juliusplate
Die Fahrt geht vorbei am Weserstadion, links an der DGzRS-Zentrale vorbei, dann durch den Innenstadtbereich Bremens. Rechts ist das Schlachteufer mit der Martinikirche und dem Martinianleger, links der Teerhof mit dem Kunstmuseum. Am Martinianleger starten u.a. die Hafenrundfahrten. An der Eisenbahnbrücke beginnt die Seewasserstraße. Wir sehen rechts die Kellog's-Fabrik. An der Spundwand hier kann es schon mal schaukeln. Auf von hinten kommenden Schiffsverkehr achten! Rechts geht es jetzt an alten Ruinen und "Rickmers Reismühle" vorbei, wir passieren die alten Freihandelshäfen, von den aber nur noch der Holzhafen in Betrieb ist. Wir sehen das Investitionsgrab "Spacepark", kommen an der Industriehafenschleuse vorbei und passieren den Radarturm am Neustadtshafen. Auf der Landzunge, die den Neustadtshafen von der Weser trennt, sind z.Z. Ziegen ausgesetzt. Nicht betreten, Zeckengefahr! Nach den letzten Kaianlagen und der Industriehafenschleuse kommen wir noch an den Stahlwerken vorbei. Hier liegen des öfteren riesige Erzfrachter, an die man sehr nah herankommt. Ab hier ist eigentlich nur noch langweilige Steinschüttung bis Bremen-Vegesack, unterbrochen nur vom Sportboothafen Hasenbühren (Ausstiegsmöglichkeit) und der Ochtummündung mit Sperrwerk. Kirche von WarflethWir erreichen das links liegende Lemwerder und die von rechts einmündende Lesum. In Lemwerder sind vor allem die beiden Werften Abeking & Rassmussen und Lürssen interessant. Beide Werften leben vom Bau von Luxusjachten und Kriegsschiffen. Lürssen hat auch rechtsseitig einen Teil der ehemaligen Vulkanwerft übernommen. Wir fahren hier auf der Lemwerder Seite, da der Wellenschlag an der Spundwand auf der Vegesacker Seite sehr unangenehm sein kann. Hier muss dringend auf den Fährverkehr geachtet werden, da oft zwei Fähren gleichzeitig im Einsatz sind. Aber auch das Passieren der Werften ist nicht ungefährlich. Wir haben jetzt Steinschüttung bis zur nächsten Fähre (Motzen-Blumental) und passieren anschließend mehrere kleine Werften, u.a. Fassmer, wo neben Spezialschiffen vor allem Rettungsboote für Kreuzfahrer gebaut werden. Auch einiges an Werft-Ruinen verschandelt die Landschaft. Merkwürdigerweise wird aber grade dieses Ruinengelände von den Gänsen bevorzugt. Nach der letzten Werft (Hegemann, hier werden erfolgreich Containerschiffe produziert) beginnt endlich der Strand, zumindest auf der niedersächsischen Seite. Kraftwerk FargeAchtung, bei NW ist hier mit einer Betonkante und Schlengen gegen die Sandabspülung zu rechnen. Wir sehen schon unser Ziel, markiert durch dien beiden Leuchttürme und dem Kraftwerk Farge. Gleich hinter dem Fähranleger ist die Slipanlage des Campingplatzes zu sehen. Bei Niedrigwasser ist der Ausstieg schwierig, in der Regel dürfte der Wasserstand aber noch ausreichen, wenn wir nicht all zu sehr getrödelt haben. Der Campingplatz Juliusplate ist paddlerfreundlich, gut ausgestattet, auch mit einem kleinen Laden, und dazu noch preiswert (1 Person, kleines Zelt, Paddelboot frei,.5,50 €, Dusche 0,50 €, Preis 2007) Backbordtonne


 

Abhängig von den Wind- und Wetterbedingungen sind von hier aus mehrere Touren möglich.
1. Juliusplate bis Campingplatz Harriersand ,ca. 15km
2. Harriersand Rundkurs ca. 24 bzw 38 km
Juliusplate -Nordenham, ca. 30 km
Juliusplate- Bremerhaven ca. 40km

Die km-Angaben sind grob geschätzt.


Man kann bei entsprechendem Wasserstand auch die Nebenarme der Weser befahren, zu Beispiel einen kleinen Abstecher in den Seitenarm nach Warfleth, an dessen Ende sich die Kirche von Warfleth befindet oder man umrundet den unteren Teil des Elsflether Sandes.


Juliusplate- Campingplatz Harriersand (16 km)Guntsiet


Gleich nach dem Start von der Juliusplate bleiben wir auf der linken Seite. (Das ist natürlich nicht ganz richtig, Seewasserstraßen werden von See kommend betonnt, also: (links=backbord=rote Tonnen. Wir bleiben aber auf der Seite der grünen Tonnen. passieren die geteilte Flußinsel Elsflether Sand mit ihrem schönen Sandstrand. Bei schönem Wetter und an den Wochenenden ist der Strand von Menschen bevölkert, meist aber ist hier Ruhe und man sieht auch schon mal Seehunde am Strand. Hier liegen auch mal Flußfischer vor Anker. Auch die Leucht- und Richtfeuer an der Unterweser sind nett anzusehen, zumal einige schon recht alt sind. Rechts sehen wir bald den noch immer bedrohlich aussehenden Bunker Valentin. Hier sollte gegen Ende des 2. Weltkieges ein Bunker zur U-Bootproduktion entstehen. Tausende von KZ-Häftlingen kamen beim Bau ums Leben, ein U-Boot wurde hier aber nie produziert. Nach passieren der Huntemündung queren wir die Weser und treffen hier auf den Harriersand, eine der längsten Flußinseln Europas. Wer mag, kann in Nähe des Radarturm beim Bauern nachfragen, ob er hier eine Nacht zelten kann. Achtung, man sollte einen Klappspaten dabeihaben. Auch am schier endlosen Strand des Harriersand kann man häufiger Seehunde sichten. Schon bald sieht man links die Hafenanlagen von Brake. Kurz hinter dem Fähranleger der Personenfähre Brake - Harriersand befindet sich der Übergang in der Randdüne zum Zeltplatz Harriersand, der von den Inselfreunden Harriersand e.V. betrieben wird. Dieser kleine, aber nette Zeltplatz ist etwas teurer (1 Person, 1 Zelt, 1 Boot 9, 50 €, 1 Euro Dusche, Preis von 2007). Empfehlenswert ist ein Besuch Brakes mit der Fähre. Mein Tip: Fisch essen im Braker Hafen, ein Besuch des Schiffahrtsmuseums und des zum Schiffahrtsmuseum gehörenden Signalturms.

Weserpanorama bei Brake

Harriersand - Nordenham (ca. 34 km)


Wer nicht auf dem Harriersand zelten möchte und statt dessen weiter paddeln will, bleibt zunächst auch auf der Harriersand-Seite. WeserfischerErst nach der Fähre Brake-Sandstedt queren wir das Fahrwasser, um nach dem Abzweig der Schweiburg am Sandstrand der Strohauser Plate entlang zu paddeln. Die Schweiburg lässt sich auch paddeln, es ist hier ruhiger und eintöniger als auf der Weser. Zur Rodenkirchner Seite der Schweiburg (Nebenarm der Weser) gibt es mehrere Siele mit kleinen Sielhäfen, z.B. das Abser- und das Strohhauser Siel. Möglicherweise kann man ja bei der Rückfahrt die Schweiburg benutzen. Am Ufer der Strohauser Plate beginnt schon teilweise die Verschlickung der Ufer, die dann nach Nordenham hin immer mehr zunimmt. Die Ufer sind dann nur noch bei HW zu betreten. Nachdem die Schweiburg wieder mit der Weser zusammentrifft, liegt links das Kernkraftwerk Esensham/Unterweser. Ein Ende der Tour ist im Seglerhafen von Großensiel, kurz vor Nordenham möglich. Wer beim WSV Nordenham zelten möchte, muss mit dem Bootswagen zum Gelände des WSV Nordenham rollern. Anlanden ist direkt am Bootshaus des WSV nur noch bei HW möglich. Die Übernachtung kostet hier 3 € pro Person für DKV-Mitglieder (Preis 2006)

Alternative:
Harriersand Rundkurs: (ca. 24 km ab Campingplatz Harriersand, 36 km bei Start an der Juliusplate)


Seehunde vor AKW Wenn man von der Juliusplate startet, sollte man ca. 3 Stunden nach einsetzen der Ebbe starten, so dass man mit dem letzten ablaufenden Wasser den Strand von Sandstedt erreicht. Hier kann man erst einmal zwei Stunden Pause machen. Man muss unbedingt darauf achten, den Nebenarm der Weser nicht zu früh zu befahren, da es einem sonst passieren kann, dass sich vor einem nur Schlick befindet, man aber von einer ca. 30- 40 cm Flutwelle vorangeschoben wird und man Gefahr läuft, zu kentern. Ein Ausstieg ist auf der innenliegenden Seite des Harriersand nicht möglich. Wer zurück zur Juliusplate will, kann nach Erreichen der Südspitze gleich weiterfahren, ansonsten wartet hier an der Südspitze auf das Kentern der Tide und startet ca. eine Stunde nach Einsetzen der Ebbe, um auf der Weserseite zurück nach Sandstedt oder zum Campingplatz Harriersand zu paddeln.

Weiterfahrt nach Bremerhaven ab Nordenham/Großensiel (ca. 10 km)


Vor Nordenham Nachdem wir den Seglerhafen von Großensiel bzw. das Gelände des WSV Nordenham verlassen haben, queren wir die Weser, um nicht entlang der Stromkajen von Nordenham paddeln zu müssen. Leider haben wir es auch hier mit dicken Schlickpackungen zu tun. Entschädigt werden wir durch eine Vogelwelt, wie sie sonst nur im Wattenmeer anzutreffen ist. Bei NW kann man hier Säbelschnäbler, Brandgänse, Austernfischer und sonstiges Getier beobachten. Auch das Umsetzen in die Lune sollte möglich sein, hab ich aber noch nicht ausprobiert. Hinter Dedesdorf ist es dann gradezu einsam. Auf der Luneplate leben seit einiger Zeit Wasserbüffel! Das Wasser ist hier im Weserbogen teilweise sehr flach, dafür ist das Fahrwasser ganz weit weg auf der Nordenhamer Seite. Auf dem weiteren Weg passieren wir die Blexen Reede, hier ankern manchmal Seeschiffe. Umfahrt diese auf der Bremerhavener Seite. Die Kulisse von Bremerhaven ist schon lange in Sicht und man sieht die beiden Leuchttürme der Geestemündung. Erst hier wird es wieder hektisch. Hier verkehrt die Fähre Blexen-Nordenham, hier starten ständig die Lotsenboote und hier ist die Einfahrt zum Fischereihafen. Also vorsichtig herantasten und ganz schnell passieren. Gleich dahinter liegt das Bremerhavener Strandbad und damit eine geeignete Stelle, um unsere Fahrt zu beenden oder um eine Pause zu machen, bevor es mit auflaufendem Wasser zurückgeht. Nur wer einen der Bremerhavener Vereine besuchen will oder plant, über Geeste und die anschließenden Kanäle weiterzupaddeln – man kommt bis in die Elbe–, muss in die Geestemündung einfahren.

 

Ich habe die Strecke Bremen-Bremerhaven und retour mehrmals gepaddelt. Tagesetappen von 30 - 40 km sind möglich, längere Strecken sind aufgrund der Tide kaum machbar, gegen die Tide gegenanzupaddeln macht keinen Sinn.

Skyline von BremerhavenAm Badestrand von Bremerhaven

 

 

 

 

 

 

 

 

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