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Elefantenfahrt 2009

Ins Land der Franken fahren…

Mit Faltbooten auf dem Rheinfünf Faltbootzweier mit Bremer Kanu-Wanderern zur diesjährigen „Elefantenfahrt“. Es geht zum Main, von Ebing bis Schweinfurt: 76,4 km in drei Etappen. Aber weshalb „Elefantenfahrt“? Das leitet sich ab von einem früheren Sondertarif der Deutschen Bahn, dem „Rosa-Elefanten-Ticket“. Und so firmiert der herbstliche Männerausflug des BKW seither unter obigem Namen.
Wer hätte gedacht, dass aus einer Idee im Jahre 1980 eine inzwischen 29-jährige Tradition werden würde? Paddeln als Gepäckfahrt mit Faltboot und Eisenbahn
und das, obgleich die Bahn heute kaum noch Faltboote oder Fahrräder zu transportieren gewillt ist, von einer Aufbewahrung der Fracht am Zielort ganz zu schweigen!
Seither wurden zwischen Rhein und Oder sowie zwischen Inn und Aller immer wieder neue Flussabschnitte unter den Kiel genommen. Und diesmal nun ist der obere Main das Ziel der diesjährigen Elefantensafari.
Wie auch in den Vorjahren trifft sich die Elefantenherde rechtzeitig vor Abfahrt des Zuges vor dem Bremer Hauptbahnhof. (Die Boote hatten wir am Vortag im Auto verstaut, das als Lastentaxi von unserem Rückgrat-geschädigten
Herdentier Willi zum Zielort gebracht wird und uns neben dem Fluss begleiten soll. Den Stress mit den Faltbootzweiern und sonstigem Gepäck im ICE muss man sich nicht immer antun. Wir sind ja keine Masochisten!)
Am Bahnhof wartet die richtige Einstimmung: Unser Walter und sein holdes Weib Siegrid bewirten uns zum Start am Stehtisch, wie auch in den Jahren zuvor.
Manch interessierter Blick trifft unsere erwartungsfrohe Runde, man schmunzelt und denkt vielleicht: „Komischer Haufen“!
Dann aber: Rucksäcke geschultert und ab zum Bahnsteig. Küsschen für unsere „Elefantenkühe“ und auf geht´s Richtung Bamberg. Im Zug vergeht die Zeit fröhlich und tatsächlich wie im Zug. Umsteigen in Hannover und Würzburg. Ankunft in Bamberg und schnell zu unserem Privatquartier dicht beim Bamberger Faltboot Club. Willi und Rainer (unser Ex-BKWér aus Märkisch-Buchholz) warten schon auf uns in der Bootshaus-Gaststätte. Frohes Begrüßen und ein gemeinsames Essen mit Klönschnack bis zur letzten Bestellung beenden die Anreise.
Unser Quartier ist für uns elf Dickhäuter etwas beengt.In der Schleuse Aber man kennt sich ja, und man arrangiert sich im Bad, wenngleich es Engpässe mit der Nutzung der Keramik gibt. Das Frühstück an langer Tafel stärkt uns für den ersten Paddeltag. Ein guter Start, dem dann der Fußmarsch zum Bahnhof folgt, denn unser Einsatzort ist nicht Bamberg, sondern Ebing, einige Bahnminuten flussaufwärts.
Als wir mit dem Zug dort eintreffen, sind die Packtaschen schon ausgeladen und es geht ans Aufbauen der Boote. Komisch, diesmal werden keine Teile gesucht oder vertauscht. Nach einiger Zeit liegen alle fünf Zweier startklar am Ufer. Also los!
Klares Wasser, gute Strömung, Sonnenschein. Paddlerherz, was willst Du mehr?
Zur Mittagspause empfängt uns Willi mit unserem Proviantkoffer an einem schönen Pausenplatz. Werner hat die Kiste wieder optimal bestückt. Rainer, der zuvor einen runden Geburtstag feierte, spendiert eine Magnumflasche „Jubelbier“, um diesen Anlass auch mit seinen Elefanten zünftig zu feiern. Alles Gute für Dich!
Der Main zieht uns talwärts, für einen unserer Zweier aber zu elanvoll: An einer Flachstelle setzt er auf, reißt sich ein Leck in die Bootshaut. Also flicken und Pause für die übrigen.
Schnellreparatur mit Klebeband ist angesagt und künftige kritische Zwischenkontrollen des Wasserstandes im Boot, zum Fahrtenende hin verbunden mit verstärktem Schwammeinsatz! Wir erreichen die Abzweigung der Regnitz bzw. des Main-Donau-Kanals. Jetzt noch 3,7 km auf stehendem Wasser bis Bamberg, dann sind wir beim BFC und unserer Übernachtungsstätte. Anlegen und Boote auf das Vereinsgelände tragen, „ein bei ein“, schön nacheinander. Der letzte Zweier liegt noch im Wasser, die Bootsspitze treibt etwas ab. Walter greift danach, will den Ausreißer wieder einfangen. Platsch! Er hat die Länge seines Armes überschätzt und macht den Bademeister. Feixend bedauern wir ihn.
Boote versorgen, duschen und ab in die Altstadt zum Abendessen. Der Abmarsch wird für 19:00 Uhr festgelegt. Einige Fußkranke (echt, eingebildet oder nur zu faul zum Gehen?) wollen ein Taxi nehmen. Auch gut. Das Fähnlein der sechs Aufrechten macht sich um zehn nach sieben auf den Weg. Am vereinbarten Treffpunkt sehen wir eine Viererbande des BKW. Da fehlt doch einer?! Mein Gott, Walter! Er hat den Anschluss verpasst, erst bei den Fußgängern, dann auch noch bei den Taxifahrern. „Wer zu spät kommt, den bestraft…“ (Zitat Gorbi). Na ja, abends finden wir ihn wieder: Er kommt gerade an die Burg, als auch der Spähtrupp eintrifft, der ihn gesucht hat. Unser Walter hatte ganz Bamberg zu Fuß erkundet auf der Suche nach seiner verlorenen Elefantenherde. Merke: „Zentrum“ ist nicht „Altstadt“! Walter aber wird künftig in Bamberg als Fremdenführer eingesetzt werden können, er kennt dort jede Straße!
Der zweite Paddeltag begrüßt uns wieder mit Sonnenschein. Nach dem Frühstück bezahlen wir unser Quartier, verabschieden uns von unserer freundlichen Wirtin, packen einiges ins Auto und den Rest in die Boote. Ablegen und wieder auf dem Kanal Richtung Main, der ab nun Schifffahrtsstraße ist. Das merke ich relativ schnell, als ein Schubverband mich in einer Kurve überholt. Mit voller Kraft steuert er die nächste Schleuse an und bringt mich in eine bedrohliche Klemme zwischen seinem ausschwenkendem Heck und dem Ufer. Wasser schwappt ins Boot, aber es geht alles gut. In der Schleuse, die uns mit ihm zusammen ins Unterwasser absenkt, kann ich mich wieder trockenlegen.
Willi weist uns mit unserem Vereinsschild wieder auf einen sehr geeigneten Pausenplatz mit Tisch und Sitzbänken hin. Also anlegen, rasten und Essen fassen.
Wir stärken uns genüsslich aus unserem Proviantkoffer, den wir etwas umgangssprachlicher als „Fresskiste“ oder elefantengemäß als „Futterstelle“ bezeichnen. Nach den gestrigen 20,1 km sind es heute 31,7 km bis Hassfurt. Zum Schluss driften die Ansichten hinsichtlich unserer Zeitplanung für die anzustrebende Ankunftszeit etwas auseinander. Während die „Raucherschiffe“ für (gefühlte) viertelstündliche Pausen eintreten, zieht es die übrige Herde eher zügig zur Dusche und zur abendlichen Fütterung. Letztlich aber kommen die Bummler an, kurz nachdem die Vorhut ihre Boote an Land gehievt hat. Und beim Abendessen auf der Terrasse sitzen wir ohnehin wieder alle beisammen und lassen uns von einem malerischen Sonnenuntergang verzaubern.
Nachts fühle ich mich wie in einem sibirischen Holzfällerlager. Meine drei Schlafgenossen machen mittels Kettensägen die ganze Taiga platt. Und ich fürchte auch um das aus massivem Buchenholz gefertigte Etagenbett, in dem ich versuche, in den Schlaf zu kommen. Am Baumfrevel bin ich natürlich nicht beteiligt, denn ich habe mich nicht sägen gehört! Auch so eine Nacht geht zu Ende, und der Tag beginnt mit Morgendunst über dem Main, Sonnenaufgang und üppigem Holzfällerfrühstück. Er verspricht wieder sehr schön zu werden.
Wieder begegnen wir Flusskreuzfahrern. Das ist sicher ein schönes Erlebnis, aber was ist das gegen unsere Elefantenfahrt? Wir sind alle ÜFüs (wie wohl die meisten dort an Bord), aber irgendwie glauben wir, intensiver zu leben, mehr aufzunehmen von Landschaft, Orten, Natur, Farben, Gerüchen und unserer Gemeinschaft. Ist es Wunschdenken, Selbstbetrug oder stilles Genießen?
An den Sportbootschleusen steigt mal der, mal jener aus, um die Schleuse zu bedienen. Wir passen mit unseren Faltbooten so gerade in die Schleusenkammer, in der
es unten kühl und feucht wird, bevor uns wieder die Sonne auf dem Main wärmt. Heute paddeln wir ohne Mittagspause die 22,8 km bis zum Ziel –denn wir sind früh dran- und rasten erst am Bootshaus in Schweinfurt.
Während wir uns stärken, trocknen die Bootshäute in der Sonne. Danach geht es ans Abbauen und Verstauen. Die ganze Wiese wird garniert mit unseren Bootsteilen.
Der Wagen ist wieder randvoll. Ab zum Bahnhof und heimwärts geht es mit der DB. Zwar gibt es mal wieder Schwierigkeiten, weil die Bahn uns mit einem anderen als dem gebuchten Zug befördert und damit unsere Platzreservierung nicht gilt, aber was soll´s? Nach unserem herrlichen Herbstausflug sind wir zufrieden und milde gestimmt, laufen zur rechten Zeit wieder in Bremen ein, werden von unseren „Elefantenkühen“ freudig begrüßt und lassen die Fahrt bei Erzählungen und gemeinsamem Abschiedstrunk ausklingen.

Übrigens, der Termin für die dreißigste Elefantenfahrt im nächsten Jahr ist schon verabredet!

Söhncke Sönnichsen

Hier noch ein Paar Bilder für Alle, die nicht dabei waren:

Abschiedsessen
Abschiedsessen vor dem Bremer Hauptbahnhof

Paddeln

Notreparatur
Notreparatur

Pause

Sonnenuntergang


Gruppenbild (ohne Dame)

Einpacken
Auch die schönste Tour ist mal zu Ende

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